Als letzter Männerchor in Haltern hält der MGV „Einigkeit“ Lavesum die Fahne hoch. 1882 gegründet pflegt dieser eine Tradition und zeigt sich gleichzeitig lebendig und modern. Mit 34 aktiven Sängern, die jüngsten Anfang 50, blickt der Chor in eine Zukunft, die er sich hart erkämpft hat.
Die Herausforderungen der letzten Jahre waren enorm. Das Vereinslokal „Haus Eggebrecht“ musste 2020 schließen, dann kam Corona mit Lockdowns und Verboten. Der MGV stand vor einer Zerreißprobe. „Anders als Frauenchöre oder gemischte Chöre mit einigen wenigen Männern schien der klassische Männerchor keine Zukunft zu haben“, erkannte der Vorstand.
Doch Aufgeben war keine Option. Ein neues Vereinslokal wurde im DJK Heim gefunden. Proben und Treffen fanden, wann immer möglich, draußen statt. „Die Anzahl der Sänger verringerte sich während Corona auf 25“, heißt es aus dem Chor. Aber mit der Zeit fanden neue Sänger den Weg zum MGV. Schon vor zehn Jahren stieß Otto Thamm zu den Lavesumer Sängern, weil sein Halterner Chor aufgelöst worden war. Vor 20 Jahren gab es noch vier Männerchöre in Haltern, neben dem MGV den Kolpingchor sowie den MGV Frohsinn und den Männerchor 1921, die sich zur Chorvereinigung Haltern zusammenschlossen.
Otto Thamm ist heute mit 92 Jahren der älteste Aktive im Lavesumer Chor und sagt: „Das gemeinsame Singen hält mich jung.“ Der Zusammenhalt ist stärker denn je. „Das Gefühl der Gemeinschaft tut richtig gut“, betont Erster Vorsitzender Heinz Meusener. Die Sänger bestärken nicht nur einander, sondern bringen auch Familien und Freunde zusammen. Gemeinsam wird musiziert, aber auch gefeiert oder geradelt. „Öfters liegt auch eine Wurst auf dem Grill“, verrät Horst Andreas mit einem Augenzwinkern.
Heute blickt man beim MGV wieder zuversichtlich und selbstbewusst nach vorn. „Lavesum ist noch nicht sterbend“, bekräftigt Schriftführer Horst Andreas. Daran habe der MGV gemeinsam mit den Vereinen des Ortsteils seinen Anteil. Um die gelebte Lavesumer Dorfkultur zu stärken, beteiligen sich die Sänger an Aktionen aller Vereine im Ortsteil. Die Tatsache, dass der MGV im Vereinsheim von DJK Blau-Weiß Lavesum untergekommen ist, sei bestes Beispiel für die gute Gemeinschaft im Dorf.
„Wir wurden mit offenen Armen empfangen“, so der MGV-Vorstand. Der DJK überließ dem Chor einen eigenen Raum für Noten, Klavier, Fahnenschrank und sonstige Materialien und unterstützt bei Anpassungen im Probenraum, zum Beispiel bei der Beleuchtung. Im Gegenzug helfen Sänger des MGV mit Malerarbeiten und anderen Arbeiten beim Umbau des Sportplatzes.
Die musikalische Ausrichtung des Chors hat sich gewandelt. Früher lag der Fokus auf a cappella Gesängen, heute umfasst das Repertoire geistliches und weltliches Liedgut, dazu gehören auch moderne klavierbegleitete Stücke von Udo Jürgens bis zu Elton John und Musicalstücken. Aktuell proben die Sänger ein Stück aus dem Musical „König der Löwen“ ein, das sie bei einem gemeinsamen Konzert mit dem Halterner Frauenchor „Sing mit“ im September zu Gehör bringen wollen. Die Neuausrichtung hat den Chor für ein breiteres Publikum attraktiv gemacht.
Die positiven Rückmeldungen der Zuhörer bei Auftritten bestärken den MGV in seiner Arbeit. Großen Anteil am Erfolg und an der positiven Entwicklung hat der Kirchenmusiker und Dirigent Michael Drews, der den MGV seit 1990 leitet. Die Arbeit mit den Lavesumer Sängern ist ihm ein Herzensanliegen. Dafür kommt er für die Proben aus Essen angefahren. „Fragen Sie mich mal, wie viel Kilometer ich schon zusammengebracht habe“, lacht er und fügt hinzu: „Mit dem MGV bin ich schon durch dick und dünn gegangen“.
Er selbst hat hautnah erfahren, dass die Corona-Pandemie Chören, die bereits wackelten, den Rest gegeben hat. Der MGV in Lavesum trotzte diesem Trend und hat noch viel vor. „Es ist Spaß, aber auch Anspruch“, beschreibt Michael Drews die Proben. Man wolle sich schließlich bei Auftritten nicht blamieren und habe außerdem eine Verantwortung gegenüber den Komponisten des Liedgutes, das man vortrage.
Zu 100 Prozent zufrieden ist er mit der Leistung seiner Sänger nie. „Das ist in der Musik gar nicht möglich“, erklärt der Chorleiter. Dann lässt er die Sänger „Can you feel the love tonight?“ (Deutsche Version: Ist es wirklich Liebe?) anstimmen, während draußen vor dem Vereinsheim Fußballer ihre Treffsicherheit vor dem Tor trainieren.
